Interne Prozessanalyse · Timm & Darya
INQA‑Coaching-Ablauf: Präsenz vs. Digital
Was die Förderrichtlinie zum tatsächlichen Coaching-Prozess vorschreibt — und wo sich daraus Spielraum ergibt, um Vor-Ort-Stunden zu minimieren und Teile als digitales Coaching-Erlebnis zu gestalten.
§2.2Was die Förderrichtlinie festlegt
„Das INQA-Coaching erfolgt in der Regel direkt vor Ort im Betrieb sowie unter Beteiligung der betrieblichen Interessenvertretung (falls vorhanden) und der Beschäftigten. Sofern technisch und organisatorisch möglich, kann das INQA-Coaching (oder Teile davon) auch in digitaler Form erfolgen. Voraussetzung dafür ist, dass hierdurch keine Beschäftigten grundsätzlich vom Beratungsprozess ausgeschlossen werden, zum Beispiel da sie nicht über die notwendige technische Arbeitsplatzausstattung verfügen.“
Förderrichtlinie INQA-Coaching, Stand 12.06.2026, Nr. 2.2
Grundmodus
Vor Ort im Betrieb
Digital erlaubt
Ganz oder teilweise, wenn technisch/organisatorisch machbar
Harte Grenze
Niemand darf mangels Technik ausgeschlossen werden
Feste Quote
Keine — Anteil ist nicht vorgegeben
RollenWer im Prozess mitwirkt
Lenkungskreis
Geschäftsführung + Beschäftigtenvertretung. Setzt Themen, bewertet Fortschritt.
Lab-Team
Beschäftigte der betroffenen Bereiche. Entwickelt die Lösungen selbst.
Lab-Verantwortliche/r
Zentrale Ansprechperson zwischen Coach, Team und Lenkungskreis.
AblaufDie drei Phasen im Detail
1 · Initialphase
Rahmen setzen, Team bilden
Themenfelder & Ziele definieren, Lab-Team bestimmenMit Lenkungskreis
Hybrid möglich
Kick-off-WorkshopStartpunkt für das ganze Team
Vor Ort empfohlen
2 · Innovationsphase
Wiederholt sich je definierter Arbeitsphase — hier steckt der größte Hebel
Moderierte Planungssitzung mit CoachAuftakt jeder Arbeitsphase
Digital/hybrid möglich
Lab-Team arbeitet eigenständig im Betrieb an der LösungCoach nicht durchgehend anwesend — laut Prozessbeschreibung ohnehin Eigenarbeit
Läuft ohne Coach vor Ort
Moderierte Auswertungssitzung mit CoachAbschluss jeder Arbeitsphase
Digital/hybrid möglich
↻ Dieser Dreischritt wiederholt sich für jede weitere Arbeitsphase, bis das Arbeitsprogramm abgeschlossen ist.
3 · Lernphase
Ergebnisse sichern
Gemeinsame Auswertung der ErgebnisseGrundlage für eigenständige Fortführung im Betrieb
Digital/hybrid möglich
Vor-Ort-Charakter (Vertrauen, Teambildung)
Sitzung mit Coach — Format frei wählbar
Reine Eigenarbeit des Betriebs, kein Coach nötig
AbleitungWie ihr die Vor-Ort-Zeit gering halten könnt
Konkret für euer Format
- Vor Ort fest einplanen: nur der Kick-off-Workshop — hier entsteht Vertrauen und das Lab-Team wird persönlich zusammengeführt. Von den 12 Tagen (96 Std.) reicht dafür in der Regel ein Bruchteil.
- Planungs- und Auswertungssitzungen digital: jede der Sitzungen an Phasenanfang/-ende eignet sich für Video-Calls — sie sind kurz, moderiert und zielgerichtet, keine Prozessbegleitung in der Fläche.
- Arbeitsphasen dazwischen sind ohnehin „coach-frei“: Das Lab-Team arbeitet laut Richtlinie selbstständig im Betrieb. Genau hier könnt ihr ein digitales Coaching-Erlebnis anbieten — z. B. ein Arbeitsboard, Vorlagen, kurze Erklärvideos oder asynchrones Feedback, statt physischer Präsenz.
- Abschluss-/Lernphase: ebenfalls video-tauglich, ggf. mit optionalem Vor-Ort-Termin, falls der Betrieb das für den Abschluss wünscht.
Das ist eure Auslegung des Ermessensspielraums aus §2.2 — keine feste Quote steht in der Richtlinie. Die einzige harte Grenze: Kein Beschäftigter darf mangels Technik vom Prozess ausgeschlossen werden. Bei kleinen, wenig digitalaffinen Betrieben (z. B. Handwerk, Einzelhandel) kann das die Grenze für den digitalen Anteil de facto niedriger setzen als bei einem Tech-Unternehmen. Die „detaillierten methodischen Vorgaben“ zum agilen Verfahren sind laut Richtlinie auf inqa.de veröffentlicht (Coach-Bereich) — dort lohnt sich ein Blick, ob die Methodik selbst Vorgaben zu Sitzungsformaten macht, die über die Förderrichtlinie hinausgehen.
Quelle: Richtlinie zur Förderung von Beratungsleistungen für KMU – INQA-Coaching, BMAS, Stand 12.06.2026 (BAnz AT 22.06.2026 B2), Nr. 2.2 und 5.2.